Einsatz­geschwader (EG) Masar-e-Sharif

EG Masar-e Sharif opener

Das südöstlich von Mazar-e Sharif gelegene Flugfeld ist ein ziviler Flughafen, der durch das afghanische Verkehrsministerium betrieben wird. Kräfte der International Security Assitance Force (ISAF) haben ein Nutzungsrecht im Rahmen ihres Auftrages. Die zivile Passagier- und Frachtabfertigung findet unter einfachen Bedingungen statt. Der Flughafen ist für den Norden Afghanistans das Drehkreuz der Mekka-Pilger (Hadji).

Mit der UN-Resolution 1510 vom 13. Oktober 2003 wurde die Ausweitung des ISAF Engagements auf ganz Afghanistan beschlossen. Deutschland übernahm in Folge als Lead Nation die Führung des Regional Command North (RC North) am Standort Mazar-e Sharif, der Hauptstadt der Provinz Balkh, ein bedeutender Wallfahrtsort und bekannt als Handelsplatz für Teppiche und Textilien.

Am 3. November 2005 wurde das Flugfeld Mazar-e Sharif durch Deutschland mit dem "Aufbaukommando MeS" übernommen. Kräfte der Luftwaffe, insbesondere der Force Protection (Objektschutz), Kampfmittelbeseitigung (EOD) und Luftwaffenpioniere wurden hier bereits vor der Indienststellung des EG MeS seit November 2005 eingesetzt.

Die Geschichte des EinsG Mazar-e Sharif

Verbandsabzeichen EG Masar-e SharifDas Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif wurde ab November 2005 mit dem Ziel aufgebaut, die bisher von Termez operierenden C-160D Transall und CH-53G/GS auf den Flugplatz im Norden Afghanistans zu verlegen.

Das EG MeS wurde am 1. Mai 2006 in Dienst gestellt. Sein ursprünglicher Auftrag lautete: Luftumschlag für Passagiere und Fracht auf dem militärischen Teil des Flugplatzes für alle Transportmaschinen der Bundeswehr und der ISAF-Schutztruppe.

So wurden bereits bis März 2007 insgesamt rund 4.000 Passagiere, über 2.200 Tonnen Fracht und etwa 900 Landungen abgewickelt. Darüber hinaus sicherten Objektschutzkräfte des Objektschutzregiments der Luftwaffe die Umgebung des Flugplatzes und bewachten das "Camp Marmal". Auch Kampfmittelbeseitigung und Startbahnschnellinstandsetzung waren Leistungen, die von Anfang an erbracht wurden. Vor allem die Herstellung der entsprechenden Feldflugplatz-Infrastruktur und der Flugbetriebsflächen stand immer im Vordergrund, um den möglichen Ausbau des Flughafens vorzubereiten. Danach folgte Zug um Zug die Verlegung der Hubschrauber CH-53 GS und der Transall C-160 von Termez/Usbekisten.

Am 7. Februar 2007 erging der Beschluss des Bundeskabinetts zur Stationierung von Tornado-Aufklärungsflugzeugen des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ (AG 51 „I“) in Afghanistan. Am 9. März 2007 beschloss der Deutsche Bundestag mit deutlicher Mehrheit die Verlegung von bis zu sechs Tornados des AG 51 „I“ in das Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif. Dieser Auftrag bedeutete nicht nur für Personal und Material eine Verlegung in das rund 5000 Kilometer entfernte Afghanistan, sondern auch viel Arbeit, um Bedingungen zur Aufnahme, Flugbetrieb und Wartungsmöglichkeiten für die Luftfahrzeuge und vieles andere mehr zu schaffen. Innerhalb weniger Wochen wurden daher umfangreiche Änderungen rund um die Flugbetriebsflächen realisiert, um nach Eintreffen der Tornados eine reibungslose Auftragsdurchführung zu gewährleisten. Knapp zwei Wochen nach der Erteilung des Mandates verlegten bereits die ersten 40 Soldaten des AG 51 „I“ in Richtung Afghanistan. Sie kümmerten sich zusammen mit ihren Kameraden aus dem EG MeS um all das, was vor dem Eintreffen der Tornado Luftfahrzeuge noch zu organisieren und instruieren war: unzählige Tonnen Gerät wurden aus rund 100 Containern ausgepackt, verteilt und aufgebaut, vernetzt und auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft. Viel Zeit blieb den Männern und Frauen nicht, denn schon am 2. April 2007 machten sich die sechs Tornado Maschinen aus Jagel unter großem Medieninteresse auf den Weg nach Mazar-e Sharif.

Nach rund 20 Stunden Flugzeit und mehreren Zwischenstopps landeten am 5. April die Maschinen in Mazar-e Sharif. Damit erweiterte sich der Auftrag für das EG MeS signifikant: Er umfasste nun auch Aufklärung und Überwachung über gesamt Afghanistan. Dieser Auftrag wurde in direkter Unterstellung für das Hauptquartier ISAF in Kabul wahrgenommen. Neben den Maschinen und ihren Besatzungen landeten auch rund 200 weitere Soldatinnen und Soldaten des Verbandes, die den reibungslosen Betrieb für den Einsatzreitraum sicherstellten. Auch ihnen blieb wenig Zeit der Eingewöhnung, denn bereits am 9. April 2007 um 10:58 Uhr war es so weit: Zwei Tornados des EG MeS hoben zu ihren ersten Trainingsflügen von der Startbahn ab und lieferten bereits am 15. April erstmals Bilder an das ISAF Hauptquartier in Kabul.

Tag für Tag erbrachten die Aufklärungstornados von nun an verlässlich ihre Leistung. Ein erstes Einsatzresümee konnte bereits nach 100 Tagen gezogen werden: Mehr als 150 Einsätze wurden geflogen und über 450 Flugstunden absolviert. Im August des Jahres 2007 wurden erstmals planmäßig die Aufklärungsflugzeuge ausgetauscht, um sie in Deutschland routinemäßig zu warten. Ein Vorgang, der sich mehrere Male wiederholen würde.

Auf den Tag, am 15. September, genau fünf Monate nach Einsatzbeginn verzeichnete das EG MeS den 500. Einsatz („Sortie“) eines Tornados. Mit Ablauf des Jahres 2007 hatten die Aufklärungstornados die beeindruckende Zahl von über 15.000 Bildern zur Auswertung an das ISAF Hauptquartier in Kabul übermitteln können. Doch kein Grund für die Soldaten und Angehörigen des EG MeS sich auf dieser beeindruckenden Zahl auszuruhen: Der Einsatz der Aufklärungstornados wurde beständiger Teil des Auftrages EG MeS.

Eine wesentliche und einschneidende Verbesserung der Aufklärungsdaten konnte mit dem Einsatz des Recce-Lite Pods erreicht werden, der ab Herbst 2009 für eine digitale Übertragung von Aufklärungsbildern an das ISAF Hauptquartier sorgte.

Im Dezember 2009 wurde die neue Start- und Landebahn des Flughafens Mazar-e in Betrieb genommen. Nach einer Bauzeit von fast zehn Monate absolvierte der Kommodore des EG MeS, Oberst Dr. Jan Kuebart, am ersten Weihnachtsfeiertag mit einem Aufklärungstornado die erste Flugbewegung auf der neuen Piste.

Ab dem 17. März 2010 ist das erste Unmanned Aircraft System (UAS) der deutschen Luftwaffe in Afghanistan. Mit der Zwischenlösung Heron 1 verfügte die Luftwaffe und das Regional Command North über deutlich verbesserte Fähigkeiten, das Geschehen über dem Einsatzgebiet aufzuklären und zu überwachen.
Die sechs beim Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif (EG MeS) eingesetzten Tornado-Aufklärungsflugzeuge werden - im Gegensatz zur Zwischenlösung Heron 1 - nicht nur im deutschen Verantwortungsbereich im Norden, sondern in ganz Afghanistan eingesetzt. Der Heron 1 ist im Gegensatz zum Tornado, der mit dem System Recce-Lite-Pod Einzelbilder erstellt, in der Lage, Full-Motion-Videos aufzunehmen.

Im August 2010 wird die Position des „Base Commander“ am Flugplatz MeS etabliert. Vor dem Hintergrund der massiven Zunahme des Flugbetriebs, insbesondere verursacht durch den Truppenaufwuchs der US Kräfte im Bereich des Regional Command North, war eine zentral verantwortliche Stelle für alle Aufgaben des Betriebs und der Organisation des militärischen Anteils am Flugplatz Mazar-e Sharif notwendig geworden. Mit der Neuregelung ist somit auch gegenüber der afghanischen, der nationalen zivilen Seite sowie den amerikanischen Dienststellen eine klare Bezugsperson geschaffen, die in allen Angelegenheiten des Flugbetriebes uneingeschränkt als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Am 27. November 2010 rollen die sechs Aufklärungs-Tornados des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif zum letzten „take-off“ und verlassen Afghanistan in Richtung Deutschland.
Der Einsatz wurde insgesamt von 69 Piloten und 54 Waffensystemoffizieren geleistet. Insgesamt wurden 8.107 Flugstunden erflogen, wovon 7.872 auf die reine Aufklärungsleistung entfallen. 4.508 Aufklärungseinsätze wurden erflogen und dabei 50.555 Bilder geschossen.

Lage

Der Auftrag

Unterstellung und Gliederung des Geschwaders

Abzeichen der ISAFDas EG MeS ist in seiner Aufstellung als gemischter (joint) Verband aus Luftwaffen- und Heeresfliegerkräften in der Geschichte der Bundeswehr einmalig und für den Einsatz national dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr unterstellt. Das EG MeS gliedert sich in den Stab mit den unterstellten Bereichen der Einsatzgruppe, Einsatzunterstützungsgruppe und dem Strategischen Lufttransportstützpunkt Termez. Seit April 2011 ist dem EG MeS auch der Deutsche Anteil des Einsatzkontingentes ISAF AWACS E3A truppendienstlich unterstellt.

Einsatzgruppe

Kernelement der Einsatzgruppe (EinsGrp) ist die Einsatzführung. Hier wird Einsatzplanung und Durchführung der Flüge operativ vorgenommen. Die Einsätze der Waffensysteme CH-53 GS und C-160 werden in den jeweiligen Operationszentralen geplant. Ihr Auftrag umfasst in erster Linie die Bereitstellung der MEDEVAC-Fähigkeit mit dem Hubschrauber CH-53 GS und der C-160 Transall. Darüber hinaus stehen Personal- und Materialtransport im Mittelpunkt der Auftragsdurchführung.

Die MEDEVAC-Bereitschaft besteht aus zwei Hubschraubern CH-53 GS und einer Transall C-160. Die Crews stehen 24 Stunden am Tag bereit, um Patienten im Bereich des gesamten RC North und darüber hinaus vom Ort einer ersten medizinischen Betreuung bei Krankheit, Unfall oder Verwundung zu einer anderen Sanitätseinrichtung zu verlegen. Sie bilden damit einen wichtigen Teil in der Rettungskette. Ist eine Repatriierung nach Deutschland nötig, so können Patienten auch nach Termez zu einem von dort verkehrenden MEDEVAC Airbus A310 der Flugbereitschaft BMVg verlegt werden.

Einen wesentlichen Anteil der Einsatzgruppe nimmt das System HERON mit einer eigenen Teileinheit zum operativen Betrieb des UAS und einer Auswerteanlage GES (Ground Exploitation Station) ein. Luftbildauswerter werten dort das Full Motion Video des UAS Heron 1 in Echtzeit aus und stellen es dem Auftraggeber in kürzester Zeit, noch während der laufenden Mission zur Verfügung. Die technische Betreung des UAS wird in einem sogenannten Betreibermodell von der Firma Rheinmetall Defence Electronics übernommen.

Einsatzunterstützungsgruppe

Auftrag der Einsatzunterstützungsgruppe (EinsUstgGrp) ist die Bereitstellung von technisch einsatzbereiten Luftfahrzeugen für den Einsatzflugbetrieb, unter anderem zur ständigen Gewährleistung einer 24-Stunden und 7 Tage Bereitschaft im Rahmen von MedEvac jeweils für beide derzeit am Standort betriebenen Waffensysteme C-160 Transall und Hubschrauber CH-53 GS. Darüber hinaus ist die EinsUstgGrp organisatorisch in der Lage einen Aufwuchs von PA200 Tornado Kampfflugzeugen innerhalb kürzester Zeit zu realisieren. Die technische Betreuung von gleichzeitig zwei im Einsatz befindlichen fliegenden WaSys aus zwei verschiedenen Teilstreitkräften ist in der Bundeswehr einzigartig.

Dabei steht die Führung als leitendes Element der EinsUstgGrp dem Kommodore in technischen Angelegenheiten der Waffensysteme beratend zur Seite.
Die Einsatzunterstützungsgruppe ist in die Fachbereiche PA-200 Tornado, Transall C-160, CH-53 GS sowie Munition unterteilt.

Die Fachbereiche der Waffensysteme stellen zusätzlich die technische Instandhaltungsfähigkeit im Rahmen von Wartung, Instandsetzung und der Durchführung von regelmäßig wiederkehrenden Inspektionen sicher.
Darüber hinaus wird der Lufttransport der C-160 mit bis zu 88 Passagieren oder 13 Tonnen Nutzlast zur logistischen Unterstützung aller ISAF-Kräfte in ganz Afghanistan zur Verfügung gestellt. Bei der CH-53 GS beträgt der Lufttransport bis zu 20 Passagiere oder 2,5 Tonnen Nutzlast zur logistischen Unterstützung aller ISAF-Kräfte im Bereich des Regionalkommando Nord (Regional Command North).

Im Fachbereich Munition fungiert der leitende Offizier als Örtlicher Leiter und damit oberste fachliche Instanz bei allen munitionstechnischen Angelegenheiten des Standorts Mazar-e Sharif. Dies beinhaltet eine 24/7 MedEvac-Bereitschaft zur Munitionsfolgeversorgung, Versorgung der LFZ mit Scheinzielmunition und Bordbewaffnung, Behandlung von Zwischenfällen / Unfällen an bzw. mit Munition und den Umschlag und Lagerung von luftfahrzeugspezifischer sowie Handwaffenmunition.

Die technisch-logistische Betreuung, die Unterstützungsleistung, die Einsatzvor- und nachbereitung, die Wartung und Instandsetzung des UAS Heron 1 werden auf Grundlage eines Vertrags ausschließlich durch die Firma Rheinmetall Defense Electronics als Auftragnehmer erbracht.

Im Nachschub werden die Nachweise von Nichtverbrauchsgütern und Einzelverbrauchsgütern geführt. Ebenso ist der Nachschub für die Lagerhaltung von Einzelverbrauchsgütern und waffensystemspezifischem Wehrmaterial und die Materialsteuerung von Ersatzteilen und Austauschteilen verantwortlich.

Quelle: Luftwaffe